Klassik.com: Furiosa
Orgel und Trompete sinnlich vereint
‚Furiosa’ heißt die neue CD des Darmstädter Organisten Joachim Enders, die er gemeinsam mit dem Trompeter Manfred Bockschweiger aufgenommen hat. Dieser Titel ist es, der wohl am besten ausdrückt, was allen hier versammelten Werken gemeinsam ist: ein gehöriges Quantum an Virtuosität.
Enders verknüpft Kompositionen des französischen Komponisten Louis James Alfred Lefébure-Wely mit Eigenarrangements virtuoser Werke für Trompete und Orgel. Lefébure-Wely, jener Organist und Komponist, der den ‚Heldentod’ gestorben ist, nämlich während er gerade an der Orgel saß, lebte von 1813 bis 1869 in Paris und ist heute hauptsächlich als Vertreter der französisch-romantischen Orgelschule bekannt. Musikalisch versuchte er, geistliches mit weltlichem zu verbinden, genauer gesagt mit dem mondänen Geschmack der Offenbach-Zeit. Die Werke, die Enders auf dieser Aufnahme eingespielt hat, entstammen der Sammlung ‚L’organiste moderne’ aus dem Jahre 1867, die weitestgehend auf Improvisationen Lefébure-Welys beruht, mit denen er während seiner Zeit als Titularorganist in Ste. Madeleine und St. Sulpice die höhere Gesellschaft von Paris beeindruckte.
Sämtliche Werke sind der Orgel auf den Leib geschneidert und geben ihr jene Leichtigkeit, die man aus Werken der Barockzeit kennt: so stehen schwungvolle Märsche neben einem Bolero de concert, beschwingte Sorties – Ausgangsmusiken – neben sanften Gottesdienstmusiken, wie den Versets und Élévations. Kombiniert ist dieser Auszug aus Lefébure-Welys reichem Schaffen mit Arrangements weltlicher Werke für Trompete und Orgel, beispielsweise dem Walzer aus Schostakowitschs Jazz-Suite Nr.2 oder der Hummelflug aus Rimskij-Korsakows Oper Das Märchen vom Zaren Saltan.
Inhaltlich wird versucht, den Geist der französischen Werke zu treffen, um einen Gesamtzusammenhang herzustellen. Und tatsächlich fügen sich selbst die beiden Tangos von Pizolla nahtlos in das Programm ein. Das liegt aber vor allem an der gar nicht ‚heiligmäßigen’ Kompositionsweise von Lefébure-Wely, der bewusst versucht hat, den Geist der Welt in seine Kompositionen zu integrieren.
Joachim Enders spielt auf der Klais-Orgel in St. Wolfgang bei Dieburg und trifft mit sehr guter Disposition ganz hervorragend den spielerischen Esprit der Werke. Man verspürt wirklich einen Hauch aus dem Paris des neuzeitlichen Jahrhunderts, wie man ihn sonst eher aus den Operetten dieser Zeit kennt. Manfred Bockschweiger kann bei den für ihn bearbeiteten Bravourstücken für Trompete glänzen und schnell erschließt sich dem Hörer der Sinn des Titels dieser Einspielung. Die inhaltliche Stringenz der kombinierten Werke wird leider nicht besonders deutlich, aber als Ansammlung virtuoser Musik aus dem Kirchenraum wird die CD beim Hörer bestimmt einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wie beim entzückten Pariser Publikum zu Zeiten Lefébure-Welys.
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