Informationen zu Nami Ejiri (CD-Tipp, Konzertinformationen)
Mai 2011
Konzert-Kritik Pianistin Nami Ejiri
Diabelli-Variationen
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Kritik zum Klavierabend von Nami Ejiri in der Alten Oper am 01.04.2011:
Dass "Les Cloches de Geneve" aus den "Annees de pelerinage" von Franz Liszt keine tonmalerische Nachbildung eines Glockengeläuts sind, sondern dass es um Erinnerungen, um Gefühle und jedenfalls um innere Vorgänge geht, machte Nami Ejiri gleich mit den ersten Tönen deutlich. Tief horchte sie in die Dreiklangsbrechungen hinein und zog ihr Publikum im Mozart-Saal der Alten Oper mit teils äußerstem Pianissimo-Spiel in eine spannungsvolle Ruhe. Das setzte sich in Teilen der "Funerailles" aus den "Harmonies poetiques et religieuses" des Jubilars fort. Den avancierten, heftigen Beginn schärfte die in Frankfurt lebende und an der Musikhochschule von Lev Natochenny ausgebildete Japanerin in den Dissonanzen. Zwischen Aufbegehren und stiller Entrückung fand sie gleitende Übergänge[...]
Ejiri gelang es jedoch, den sieben von ihr ausgewählten Variationen der bekanntesten Komponisten in aller Kürze stilistisch klar unterscheidbare Profile zu geben.[...] In Beethovens Diabelli-Variationen zeigte sich ein Ansatz Ejiris schon beim Thema: Die kräftigen Akzentuierungen und die hervorgehobenen Basslinien fielen später in vielen Sätzen auf. Dynamische Kontraste und rhythmischer Witz kamen stets gut zur Geltung.
CD's bei organophon von Nami Ejiri: Chopin
Konzert-Kritik Pianistin Nami Ejiri
Diabelli-Variationen
Die Frankfurter Neue Presse vom 05.04.2011 schreibt über den Klavierabend in der Alten Oper Frankfurt:
"Selbst das Schwerste ging leicht von der Hand"
[...] berühmten 33 Diabelli-Variationen. Ein monumentales Werk, das gewaltige Anforderungen an das Gedächtnis des Künstlers stellt. Die junge, zarte Interpretin stellte sich voller Wonne der Herausforderung und formte das knapp einstündige Werk zu einer komplexen Einheit, um in der vorletzten Variation noch eines draufzusetzen: Das markante und von der Künstlerin dynamisch differenziert vorgetragene Thema dieser Fuge nahm man als musikalische Zehrung mit auf den Weg."
Konzert-Kritik Pianistin Nami Ejiri
Diabelli-Variationen
(1. April 2011, Alte Oper, Frankfurt) Ein unvergessliches Konzerterlebnis war für mich der Klavierabend der japanischen Pianistin Nami Ejiri am 1. April 2011 in der Alten Oper Frankfurt: Schon ihre hervorragende Chopin-CD, erschienen 2009, hatte mich bereits zuvor tief beeindruckt und fasziniert. Ihr Spiel auf dem Piano ist von solcher Intensität und solch hohem Niveau, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, sie überragt alle anderen. Ich würde mir wünschen, dass ihre Interpretationen der Diabelli-Variationen mehrerer Komponisten, darunter natürlich auch die 33 von Ludwig van Beethoven, in absehbarer Zeit auch auf CD erscheinen könnten.
Spannend fand ich in der Alten Oper auch die Lichtspiegelungen der Hände und Klaviatur an der Wand über Ihrem Flügel. Durch den Schatten und die Spiegelung sah es so aus, als ob Ejiri manchmal mehr als nur zwei Hände hat, vier, manchmal acht Hände waren gleichzeitig zu sehen, flitzten über das Klavier und genau so hörte es sich auch teilweise an. Das Übergreifen der rechten Hand auf die linke Seite der Klaviatur und umgekehrt wirkte so leichthändig bei ihr, dass ich manchmal den Eindruck hatte, gerade diese Passagen liebt sie besonders. Die Mimik in ihrem Gesicht war angespannt und gleichzeitig hoch erfreut, wenn Sie einen solchen schwierigen Part auf dem Piano bewältigte. Während einzelne tiefe Töne noch nachhalten, drängten sich andere hohe Töne bereits in den Vordergrund, gleich wieder überdeckt durch ein oder mehrere staccatissimos. Sitzt hier wirklich nur eine Person am Flügel? Da ich die Augen geschlossen hatte, konnte ich mir hier eine ganze Reihe von Pianisten gleichzeitig vorstellen, die Musik untermalte die bildhafte Vorstellung entsprechend.
Die 33 Diabelli-Variationen von Ludwig van Beethoven wurden ohne Pause gespielt. Langeweile kam währenddessen bei Nami Ejiri aber nicht nicht auf. Im Gegenteil. Durch die Beethovens eigene Dramaturgie, die Ejiri wunderbar schaffte, über das Piano in den Saal der Alten Oper Frankfurt zu bringen, hielt sie die Zuhörer ständig in ihrem Bann. Die nicht enden wollenden "Bravo"-Rufe am Ende und die riesigen Blumensträuße waren ein Beweis des Publikums für ihre herausragende Leistung an diesem Abend.
CD's bei organophon von Nami Ejiri: Chopin
März 2011
Am Piano vom Beben überrascht
Nami Ejiri war mit Mann und Tochter auf Konzertreise, als in Japan das Unheil begann
Eigentlich sollte es eine ganz gewöhnliche Reise in ihre Heimat werden. Verwandte wollte sie treffen und mehrere kleine Konzerte geben. Nami Ejiri kennt die Straßen Tokios, die Menschen und ihre Geschichten. Doch für die gebürtige Japanerin und in Dietzenbach lebende Pianistin wird das Bild Japans nach der Katastrophe nicht mehr dasselbe sein, wie sie es aus ihren Kindertagen kennt.
Erst vor wenigen Tagen landete sie mit ihrem deutschen Ehemann und der gemeinsamen fünf Monate alten Tochter in Frankfurt. Sie sind wahrscheinlich mit dem Schrecken davon gekommen. Es war Freitag, der 11. März, 14.46 Uhr japanischer Ortszeit – „Wir sind an diesem Tag eher durch Zufall daheim geblieben. Eigentlich wollten wir mit der Familie gegen Mittag in die Innenstadt Tokios fahren, aber meiner Mutter ging es nicht so gut, weshalb wir zuhause blieben“, erzählt sie. Jenes Haus befindet sich in Hamura, einer etwa 40 Kilometer vom Zentrum Tokios entfernten Trabantenstadt, der Geburtsstätte Ejiris. Wie viele andere Wohnbauten Japans besteht auch ihr elterliches Haus aus leichtem Holz und ist entsprechend labil.
„Ich wollte gerade ein paar Stücke auf dem Klavier üben, um mich auf das anstehende Konzert vorzubereiten, als ich merkte, wie plötzlich die Wände zu wackeln anfingen.“ Sofort habe sie ihren Mann alarmiert, der gerade mit Tochter Ayumi-Sophie in der Küche war. Schon wollten sie alle ins Freie stürmen, dann aber hörten sie doch auf den Rat ihrer erdbebenerfahrenen Mutter und blieben. Und das Haus hielt stand, glücklicherweise. Denn „erst die viel genutzte Holzbauweise hat solch eine enorme Verwüstung möglich gemacht“, meint Ejiris Mann Marcel Jung. Als die Tsunami-Welle auf die Küste traf, stiegen die Leute auf Beton-Dächer und konnten zusehen, wie die Holzhäuser einfach weggespült wurden. […]
Ejiris letztes Konzert hätte zwei Tage nach dem Erdbeben in Tokio stattfinden sollen, wurde aber abgesagt. Noch eine Woche zuvor hatte sie ein Benefizkonzert in der Stadt Saito gegeben, über der 2009 ein heftiger Taifun wütete. Nun schwebt ihr ein Benefiz-Konzert für Japan vor. Doch zunächst erholt sie sich von den Strapazen und bereitet sich auf ihren Auftritt am 1. April in der Alten Oper Frankfurt vor.
Sascha Reichelt, Dietzenbach