Kulturspiegel | Frankfurter Rundschau
Irith Gabriely / H-J. Dumeier:
Begegnung
Die jiddische Klezmermusik erfreut sich
hier zu Lande ungebrochener Beliebtheit.
Ursprünglich als Musikanten bei den
Hochzeiten oder Erntefesten del aschkenasischen
Juden aus dem osteuropäischen
Raum irn Einsatz, haben die "Klezmorim"
in den vergangenen Jahren vor allem in
Amerika zu einer eigenen Musikrichtung
gefunden - mit hohem Wiedererkennungswert
bei stilistischer Vielseitigkeit.
Neben dem "King", dem Klarinettisten
Giora Feidman, steht heute als "Queen of
Klezmer" Irith Gabriely, Frontfrau der
Gruppe ,,Colalaila". Die Parallelen sind
erstaunlich: Spielte Feidman achtzehn
Jahre lang im Israel Philharmonic Orchestra,
so verbrachte seine Schülerin Gabriely
fast eben so viel Zeit am Klarinettenpult
des Orchesters des Staatstheaters in
Darmstadt. Dann kam auch für sie die Solokarriere:
nicht Klassik, sondern Klezmer.
Seit 1997 entwickelt Irith Gabriely mit
dem Organisten Hans-Joachim Dumeier
auch ein Programm für Klarinette und Orgel,
das jetzt auf CD vorliegt. Hier wird
versucht, die vertrauten Konzepte traditioneller
Programmgestaltung aufzubrechen:
Gabriely und Dumeier lassen die so genannte
klassische Musik, Stücke jüdischer
Komponisten und Klezmermusik in
eine durchaus reizvolle Diskussion eintreten.
Der jüdisch-christliche Dialog wird musikalisch
geführt, das der Klezmermusik
inne wohnende Moment der Begegnung
als "Stimmungsmusik" gewinnt dabei eine
neue, überhöhte Bedeutung.
So tritt neben Ernest Blochs Three Pieces
of Chassidic Life Traditionelles wie Havenu Shalom Alejchem, neben Bach-Bearbeitungen
finden sich Jazz-Standards wie
Duke Elingtons In a sentimental mood.
Das geht ans Herz und erinnert - Sonnen- und
Schattenseiten des Lebens sind erfasst
- ein wenig an Blues oder Gospel.
Was bei all dem leider zu kurz kommt, das
ist die Orgel: Dumeier ist selbst ein glänzender
Interpret, der über weite Strecken
doch nur als Stichwortgeber für Irith Gabriely
fungieren darf. Und dass die
"Queen" s pielen kann, das wissen wir ja
schon lange.
Darmstädter Echo: CD Tipp
Stampfen für "Shalom"
Als fantasievolle Klezmer-Virtuosin ist Irith Gabriely, einst Mitglied
im Orchester des Staatstheaters
Darmstadt, weithin bekannt.
Jetzt hat sie sich mit dem
Michelstädter Organisten Hans-Joachim Dumeier zusammen
getan und das Projekt "Church
Meets Synagogue" entwickelt,
das kürzlich auch in einer
gleichnamigen CD seinen Niederschlag
gefunden hat (organo
phon 90119 - Hauptstraße 50,
55452 Windsheim). Orgel und
Klarinette passen klanglich gut
zueinander, und der Organist
fühlt sich glänzend in die Spielweise
Gabrielys ein.
Wunderschön
harmonieren die beiden
in den "Three Pieces of Chassidic
Life" von Ernst Bloch. Faszinierend
ist, wie die Klarinettistin
in ein Bach-Arrangement
jiddische Folklore hineinarbeitet.
Im letzten Stück ,,Havenu
Shalom Alejchem" hört man sie
gar den Rhythmus mitstampfen.
Am 5. August beschließt Gabriely übrigens um 19 Uhr mit ihrem
Ensemble "Colalaila" die
Auerbacher Sommerfestspiele,
und zwischen dem 8. und 23.
September stellt sie im Rahmen
des Kultursommers Südhessen
(Kuss) ihr Programm "Church
Meets Synagogue" mit Dumeier
an verschiedenen Orten vor. (hz)


